Lend – ein Update und Ausfallsdefinition

Gerne gebe ich wiedereinmal ein Update zu meinen Erfahrungen mit LEND, dies aus aktuellem Anlass. Erstens habe ich letztens den Werbespot von LEND gesehen (de Huber brucht Gäld) und zweitens sind mir in der gleichen Woche drei der Gründer in einem Restaurant in Zürich (Thai Bamboo, ein Geheimtipp, Preis-/Leistungsverhältnis stimmt absolut)  über den Weg gelaufen. Die Gründer habe ich Anfang dieses Jahres an einem LEND Event sowie bei einem Besuch im Büro kennengelernt. Daher habe ich wiedermal geschaut was so passiert ist bei der Plattform. Ich muss gestehen, mein Portfolio habe ich nicht wirklich gross angeschaut in der letzten Zeit (gut, hat auch nur 2 Kredite drin), aber die Zahlungen sind auch mehr oder weniger pünktlich gekommen. Also schon mal gut.

LEND hat noch immer 0 Ausfälle – was heisst das genau?

Gemäss den Angaben von LEND ist noch kein Kredit ausgefallen (defaulted). Das ist doch wunderbar? Natürlich, aber man muss sich damit auseinandersetzen, wie ein Ausfall definiert wird. LEND hält sich hier an die Definition der peer to peer finance association (runter scrollen) , welche einen Kredit als ausgefallen gilt, sobald er mehr als 120 Tage überfällig ist (plus weitere Kriterien). Zusätzlich findet man bei der p2pfa auch eine Definition zu Verspätungen und Dergleichen, sowie Statistiken. Die p2pfa ist ein Zusammenschluss von (momentan) 7 britischen p2p Plattformen, welcher sich zum Ziel gesetzt hat eine einheitliche Regelung sowie Transparenz im p2p Markt zu schaffen.

Das heisst nun im Fall von LEND, dass noch kein Kredit mehr als 120 Tage überfällig ist. Das ist schon einmal eine starke Leistung und zeigt, dass die Plattform auf einem soliden Fundament steht. Das heisst aber auch, dass es theoretisch eine hohe Anzahl an Darlehen geben könnte, welche verspätet sind bis zu 120 Tagen. Das dem nicht so ist, kann man zum Beispiel an den publizierten erwarteten Ausfallraten erkennen. Aber auch hier, mit Vorsicht zu geniessen, denn es ist ja noch kein Kredit ausgefallen, also beziehen sich die Daten auf Erwartungen (welche für den Schweizer Privatkreditmarkt allgemeingültig sein können), aber nicht direkt auf das Kreditportfolio von LEND. Die Erwartungen könnten sich also als ungenau erweisen.

Warum man bei LEND investieren (oder einen Kredit aufnehmen) kann

Ich schreibe bewusst, warum man investieren (oder aufnehmen)  kann, und nicht soll, da ich finde, dass diese Entscheidung jedem Investor (Schuldner) selbst überlassen werden sollte. Für LEND sprechen aus meiner Sicht die folgenden Argumente:

Das Gründerteam ist erfahren und hat schon so einiges erreicht im Berufsleben. Trotzdem sind die Herren nicht abgehoben und man kann gut mit Ihnen reden (und ein Bier trinken ;)). Der bisherige Verlauf spricht für LEND, auch was die Transparenz angeht. Zum Vergleich: eine andere Schweizer Plattform vertröstet mich schon mehr als ein Jahr bezüglich Ausfalldaten etc (obwohl man schon bald 10 Jahre am Markt ist). Auch ein Grund für mich (Vergleich in der Grafik) sind natürlich die enorm tiefen Zinsen im Schweizer Franken. Auf dem Sparkonto gibt es nichts und Anleihen mit BBB Rating (das ist eine Stufe über Junk, und vor 10 Jahren hätten die meisten Anleger diese Kategorie gemieden) rentieren deutlich unter einem Prozent. Ich bin nicht ganz einverstanden, dass das Sparkonto und der BBB Bond mit Privatkrediten aus Risikosicht verglichen werden können, aber als Anschauungsbeispiel geht das allemal.

Investor oder Kreditnehmer werden geht ganz einfach über diesen Link.

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P2P und die Steuererklärung

Ein Jahr ist rum, und was folgt dann einige Zeit später mit Sicherheit? Die Steuererklärung muss ausgefüllt werden. Glücklicherweise ist das in der Schweiz nicht sehr schwer, man muss nur die Belege zusammen suchen und die Werte am richtigen Ort eintragen. Ok, so einfach ist es auch wieder nicht, aber durchaus machbar (seid ihr aus der Schweiz, und habt keine Lust dazu, kontaktiert mich, ich erstelle die Steuererklärung für euch, gegen ein Honorar ;)).

Etwas schwieriger wird es nun, wenn man Erträge aus p2p Anlagen mit einbeziehen muss. Aber nicht, weil man dies speziell kompliziert eintragen muss, sondern die Schwierigkeit besteht darin, einen Auszug zu erhalten, den man Einreichen kann. Dann muss man noch hoffen, dass das Steueramt diesen auch anerkennt. Man muss sich einfach vor Augen halten, dass die meisten Steuerbehörden noch nicht sehr bewandert sind mit dem Thema der p2p Kredite. Ich habe deshalb immer noch ein Belgeitschreiben beigelegt, mit welchem ich erkläre was p2p Kredite sind, und was für Ertragsarten anfallen können.

Ich möchte euch gerne eine Beschreibung geben, wie ihr bei den Plattformen zu den Daten kommt, denn da muss man teilweise lange suchen und/oder erfinderisch sein 😉

Finbee

Zum Anfang eine sehr leichte Aufgabe, da Finbee eine Auflstung bereitstellt. Einfach einloggen und rechts oben auf den Namen klicken und notifications & tax settings auswählen. Danach in die Kartei „tax“ wechseln und den Zeitrsum eingeben. Schon wird ein pdf erstellt mit den benötigten Daten.

Mintos

Hier wird es schon ein wenig mühsamer und unübersichtlicher. Bei Mintos einloggen und auf account statement gehen. Danach die Periode eingrenzen (01.01.2016 bis 31.12.2016). Danach auf search klicken und erhaltet folgende Übersicht (rechts stehen noch die Zahlen daneben bei euch). Leider muss man hier die relevanten Beträge raussuchen und übertragen.

Übersicht der steuerrelevanten Daten von Mintos

Viventor

Bei Viventor muss man den gleichen Pfad einschlagen wie bei Mintos. Einloggen und in my account unten die Periode eingrenzen und die Beträge der Auflistung entnehmen.:

Auszug der steuerrelevanten Daten von Viventor

Cashare

Hier ist es einfach, einloggen und unter dem Punkt „Dokumente“ sind die Auszüge für jedes Jahr abgelegt.

Ich werde die Liste stetig um weitere Plattformen ergänzen, aber mit oben beschriebenen Mecano sollte es auch bei anderen funktionieren.

 

 

 

swisspeers – p2p/crowdfunding für Schweizer KMU und ein Interview

Ich hatte die Gelegenheit einem der drei Gründer von swisspeers , Alwin Meyer, einige Fragen zu seiner Plattform zu stellen und habe dabei viele Interessante Einblicke gewonnen. Unten könnt ihr das Interview nachlesen. Ich möchte noch kurz erwähnt haben, dass ich als Investor bei swisspeers registriert bin, aber noch keine Gebote abgegeben habe. Die Investmenterfahrung zur beurteilung fehlt mir noch. Ich bedanke mir herzlich bei Alwin für die Beantwortung der Fragen, er hat viel Zeit darin investiert.

Was waren die Gründe swisspeers zu lancieren, wann geschah das?
Wir haben unser Unternehmen im August 2015 gegründet und sind mit der Plattform im Juni 2016 auf den Markt gekommen. Verschiedene Faktoren haben uns dazu bewogen:
Einerseits sind wir der Meinung, dass die heutigen Technologien erlauben die Funktionen des zentralisierten Bankensystems effizienter und stabiler, sprich dezentraler anzubieten. Crowdlending ist ein Teil davon. Andererseits glauben wir, dass die Finanzierung von Wachstums- und
Digitalisierungsprojekten der KMU in der Schweiz nur unzureichend gewährleistet ist. Mit unserem Businessmodell schaffen wir eine Win/Win/Win Situation: Investoren finden attraktive und sinnvolle Anlagemöglichkeiten im Festzins-Bereich, Unternehmen finden Kapital zum Wachsen und gemeinsam schaffen wir Wirtschaftswachstum und stärken somit die Schweizer Wirtschaft.

Wo seht ihr euch in 3 Jahren?
In 3 Jahren sind wir ein etablierter Player in der alternativen Fremdkapitalfinanzierung für KMU und eine spannende Investitionsplattform für private und institutionelle Investoren die im Schweizer Franken Festzinsanalgen suchen.

Hat der Schweizer p2p und crowd Markt Zukunft? Regulation etc
Absolut! Wir glauben mit den regulatorischen Anpassungen, welche sich aktuell in der Pipeline befinden und voraussichtlich Mitte 2017 Gültigkeit erlangen, wird sich der Markt und das Potential richtig entfalten können. Dabei werden voraussichtlich 2 grosse Hürden der Schweizer Gesetzgebung entfernt: erstens die Limitierung auf 20 Investoren pro Kredit und zweitens die Erhöhung der Verweildauer von Geldern auf Transaktionskonti.

Wenn ich auf der Website die Volumina zusammenzähle, komme ich auf 2.42 Mio (sofern ich mich nicht verrechnet habe). Ist das das komplette finanzierte Volumen to date oder gibt es noch mehr?
Ja Du hast richtig gezählt. Wir haben uns entschieden transparent zu arbeiten im Sinn und Geiste des Crowdfunding. Dazu zählt auch, dass wir die finanzierten Projekte zeigen. Diese geben künftigen Kunden von uns eine gute Übersicht über die Eigenschaften der Finanzierungen und die Anlagemöglichkeiten.

Gibt es bereits Statistiken zu verspäteten Zahlungen, oder zu Ausfällen?
Ja die gibt’s: wir haben keine Ausfälle und alle Zahlungen erfolgen pünktlich.

Findet ihr es nicht ein wenig komisch, von Investoren Gebühren zu verlangen? Im Ausland gibt es das nicht, ich weiss Schweizer p2p Plattformen machen das…
Ich glaube wir bieten Investoren verschiedene Dienstleistungen für welche die verlangte Gebühr als sehr fair bezeichnet werden kann. Die Leistungen umfassen im Wesentlichen folgende drei:
– Bereitstellung einer neuen Anlageklasse im CHF Festzinsbereich
– Investorenportal mit Dashboard und Reports inkl. Steuerausweis
– Transaktionsabwicklung über die Laufzeit der Investition.

Wie grenzt ihr euch gegenüber eurer Konkurrenz wie creditworld, cashare etc. und evtl. auch advanon (Rechnungsfinanzierung = in meinen Augen sehr kurzfristiger kmu Kredit).
Ich glaube jede Plattform hat ihre Spezialitäten und eine eigenständige Strategie. Wir wollen uns als transparente Crowdlending Plattform spezialisiert auf die KMU Fremdkapitalfinanzierung etablieren.
Wir differenzieren uns über folgende Bereiche:
– Team: Wir sind operativ ein echtes FIN und TECH Team mit unserem Hintergrund in der Software Industrie. Je 15 Jahre Erfahrung in Finanziellem Risikomanagement, Banken und
Standardsoftware Entwicklung. Darüber hinaus verfügen wir über einen unabhängigen Verwaltungsrat mit einem ideal abgestimmten Knowhow Profil.
– Produkt: Mit unserer Fokussierung auf KMU Kredite möchten wir sinnvolle und transparente Investitionsmöglichkeiten im Festzinsbereich anbieten. Gleichzeitig helfen wir unseren KMU zu wachsen und den Wirtschaftsstandort Schweiz zu stärken.
– Community: Wir unterstützen KMU fachlich und persönlich. Die meisten Kredite sind mit Firmennamen ausgeschrieben und an unseren «Peer-Events» bieten wir die Möglichkeit, dass sich Investoren und KMU kennenlernen.
– Plattform & Technologie: Wir glauben, dass die lokale Eigenentwicklung der Plattform viele Vorteile bietet. Wir sind effizient und können dynamisch neue Features und Funktionen aufschalten. Wir sind nicht nur FIN sondern auch TECH, alles inhouse.
– Geschäftsgrundsätze: Wir sind hier um zu bleiben. Unser Ziel ist die nachhaltige Entwicklung des Geschäftsmodells und haben dazu unsere Geschäftsgrundsätze auf unserer Website publiziert.

Bild eines Peer Events 2016

Ist es geplant in weitere Segmente (Privatkredit, Rechnungsfinanzierung) vorzustossen?
Wir konzentrieren uns auf KMU Finanzierung und planen weder Privatkredite noch Rechnungsfinanzierungen.

Das A und O liegt meines Erachtens auf der Kreditprüfung, damit es nicht zu vielen Ausfällen kommt. Was ist so gut an eurer Prüfung, dass ich mein Geld bei euch investieren sollte?
Das ist richtig, die Kreditprüfung ist eine der Kernkompetenzen von swisspeers. Warum glauben wir dass das so ist? Folgende Gründe sprechen dafür:
– Unser Kreditrisikomodell: Dieses haben wir entwickelt zusammen mit Spezialisten aus dem Schweizer Firmenkreditmarkt.
– Unser Kreditantragsprozess: neben den traditionellen Abklärungen via Kreditrisikomodell führen wir weitere Abklärungen durch. Dazu gehört in vielen Fällen auch ein Treffen mit dem Kreditantragssteller.
– Unser Hintergrund: Wir haben die letzten 15 Jahre Risikomanagement Software für Retail- und Kommerzbanken designed, entwickelt und implementiert. Kreditrisiko hatte dabei natürlicherweise einen hohen Stellenwert.

Wieviele Kreditanfragen lehnt ihr etwa ab? 8 von 10, oder wie ist die Quote?
In der Tat ist die Ablehnungsquote relativ hoch: Auf einen Kredit in der Auktion kommen zurzeit fast 8-mal mehr Anträge. Ein grosser Teil hiervon wird schon in unserem Antragsprozess ausgeschieden. In der vertieften Kreditprüfung werden weitere Anträge abgelehnt.

 

Lend – eine Schweizer p2p Plattform

Die Plattform tritt als LEND in Erscheinung, dahinter steckt die Switzerlend AG mit Sitz in Zürich. Gegründet und geführt wird LEND von ehemaligen Bankern und Serial-Entrepreneuren, welche sich daran stören, dass ein Privatkredit immernoch fast 10 Prozent kostet, in einer Zeit wo Banken sich das Geld quasi gratis leihen können. Ein guter Ansatz, denn das stört mich auch. Es ist ein wirkliches Phänomen, dass die Verzinsung von Kontoguthaben nur schleppend steigt, wenn die Zinsen steigen. Fallen die Zinsen, geht es ganz fix mit der Senkung der Zinsen auf dem Sparkonto.

Lend und die Transparenz mit den Gebühren

Man kann schön in den FAQ nachlesen, dass Kreditnehmer jährlich 0.5% und Investoren 1% an Gebühren zahlen, welche mit den monatlichen Rückzahlungen verrechnet werden. Auf den Kreditprojekten wird immer die Nettorendite ausgewiesen (siehe nebenan), was ein klarer Vorteil gegenüber

Renditeausweis bei Lend.ch

zum Beispiel Cashare ist, welche die Rendite nur Brutto ausweist. LEND geht noch weiter und weist die Rendite auch unter der Berücksichtigung der Annuitätenzahlungen aus. Bravo, das ist sehr gut. Hier ist wirlich netto drin wo netto drauf steht. Aus diesem Grund sind die Renditen bei Lend eigentlich auch nicht tiefer als zum Beispiel bei Cashare.

Es fehlt mir aber auch eine gewisse Transparenz

Und zwar bei den Kreditvolumen. Es wird mit 53.7 Millionen CHF durch Kreditanträge geworben. Anträge sind aber noch nicht bewilligt, und schon gar nicht finanziert. Das ist eine Phantasiezahl, denn es sind erst 151 Projekte finanziert, 53.7 ÷ 151 = 355’000.- pro Kredit. Etwas zuviel für Privatkredite, wenn nicht, hätte ich gerne so einen 😉 Spass beiseite, ein Blick auf die finanzierten Projekte genügt, und man weiss, dass dies eine Marketingzahl ist.

Was mir weiter fehlt: Zahlen zu Ausfällen und Verspätungen. Gemäss Live Chat gab es noch keine Ausfälle, was ja schön ist, aber warum so etwas nicht publizieren? Mir wurde auch angeboten, dass ich für ein Treffen mit den Partnern vorbeigehen könne. Das mache ich auch im 2017, aber zuerst werde ich in Projekte investieren, und da kommen wir zum nächsten Punkt.

Anmeldung

Die Anmeldung geht fix online, und man muss ein Identifikationsdokument hochladen. Danach muss man ein Referenzkonto angeben und von seinem Bankkonto aus CHF 5.- überweisen. So wird sichergestellt, dass einem dieses Konto tatsächlich auch gehört. So weit so gut, aber mich ärgern die CHF 5.- tierisch, denn diese kriege ich nicht zurück. Ich sehe es einfach ganz und gar nicht ein, dass ich für die Anmeldung zahlen soll. Schliesslich kann die Plattform nur mit Investoren gedeihen. Vielleicht bin auch ich einfach ein typischer engstirniger Schweizer und sehe das big picture nicht 😉 /ironie off

Der Umgang mit der 1 zu 20 Regel und den Zinsen

Wie ich schonmal beschrieben habe, kennt die Schweiz die tolle Regelung, dass Kredite mit mehr als 20 Gläubigern als Anleihen/Obligationen gelten. Und solche dürfen nur von Banken ausgegeben werden…. und eine Banklizenz zu erwerben ist naja, gelinde gesagt schweineteuer und sehr zeitintensiv.

LEND geht hier einen sehr pragmatischen Weg, ohne einen ausgeklügelten Algorithmus. Man teilt den Kreditbetrag einfach in 20 Teile auf, was dann dem Mintestanlagebetrag ergibt. Beispiel: Kredit 2’000 / 20 = CHF 100 pro Anteil. Man ist frei auch mehrere Anteile zu erwerben.

Die Zinsen sind nach Laufzeit und Kreditkategorie (A bis C) festgelegt. Es kommt also zu keiner Bietauktion, Pragmatismus pur, was mir zusagt.

Fazit

Ich freue mich immer, wenn es neue p2p Plattformen in der Schweiz gibt, die ich ausprobieren kann. Besonders freut es mich, dass LEND einen guten Eindruck macht und ich das Gefühl habe, dass man etwas bewegen will. Ich investiere jetzt mal und Berichte weiter. Lend kriegt von mir einige Vorschusslorbeeren, ich hoffe, dass diese auch nachhaltig sind.

 

 

 

Cashare – der schweizerische p2p Pionier

Ich hatte ja angedroht, dass ich auch einige Schweizer p2p Anbieter vorstellen werde. Nun setze ich meine Drohung in die Tat um 😉 Bevor ich das jedoch tun kann, muss ich auf eine schweizerische Eigenheit eingehen, wenn es um die Geldvergabe geht. In der Schweiz darf kein Schuldner, mehr als 20 verschiedene Kreditgeber haben, denn so eine Schuld gilt gemäss Bankgesetz (BankG) als Anleihe. Und Anleihen dürfen nur Banken emittieren. Eine Banklizenz zu erlangen ist sehr aufwendig und kostspielig. Genau dieser Umstand macht p2p in der Schweiz nur mit grösseren Einsätzen investierbar, da die Zahl an Investoren pro Kredit beschränkt ist. Cashare löst dieses Problem meiner Meinung nach am besten von allen Plattformen.

Cashare wurde mitten in der Finanzkrise gegründet

Genau, 2008 ging cashare.ch an den Start und avancierte vom Pionier zum Marktleader. Die Gründer hatten sicherlich grossen Mut mitten in der Finanzkrise ein Finanzunternehmen zu lancieren. Seien wir ehrlich, ohne Mut, Entschlossenheit, Hingabe und Durchhaltevermögen wird kein gutes Unternehmen gegründet und aufgebaut. Sind diese Grundsteine vorhanden, gelingt ein Unternehmen auch in schwierigen Zeiten.

Vielleicht haben die Gründer aber auch die Zeichen Zeit damals richtig gedeutet. Denn wenn mir 2008 jemand gesagt hätte, dass wir 2015 zum ersten Mal negative Zinsen in der Schweiz sehen… nunja, ich hätte viel Geld bei der Wette verloren. Schlechte Verzinsung bei den Banken = Geschäftspotoential für p2p!

Registrierung

Dies geht einfach, ich kann jedoch keine Stellung dazu nehmen, wie das heute gehandhabt wird, da ich mich vor Jahren dort angemeldet hatte. Ich musste  CHF 5.- von meinem Konto überweisen, Ausweisdokument hochladen und ein Formular A ausfüllen. Dieses Formular dient der Feststellung des wirtschaftlich Berechtigten (was meistens der Investor sehbst ist, da man ja meistens sein eigenes Geld investiert 😉 ). Die Dokumente wurden sehr schnell verarbeitet und ich konnte loslegen. Noch etwas in eigener Sache: solltet ihr euch bei cashare.ch anmelden, wäre ich dankbar, dass ihr beim Feld „von wem haben Sie von cashare gehört“, einfach „p2phero“ einträgt. Ich erhalte dann von der Plattform eine kleine Vermittlungsprovision. Das ist für euch kostenlos, und hält mich nicht davon ab, hier auch Negatives über die Plattform zu schreiben.

Was bietet cashare für Kreditarten? Zinsen?

Cashare bietet Privatkredite und seit einiger Zeit auch Kredite für kleinere- und mittlere Unternehmen (KMU) an. Früher konnte man noch Crowdprojekte finanzieren, bei denen man aber nur eine Dienstleistung oder Produkt für die Investition bekommen hat. Mittlerweile gibt es nur noch reine p2p Kredite.

Es gibt monatliche Rückzahlungen seitens der Kreditnehmer. Die Zahlungen beinhalten immer einen Teil des Kapitals und einen Zins. Dies nennt sich Annuitätendarlehen.

Wie werden die Kredite finanziert?

Die Kredite werden mit einem vom Kreditnehmer festgelegten Maximalzinssatz auf die Plattform gestellt. Die Investoren können dann in einer Rückwärtsauktion tiefere Angebote abgeben. Das Mindestgebot liegt bei CHF 200.-. Aber Vorsicht, das ist das Mindestgebot der Plattform, es kann sein, dass dies bei den Auktionen zwischendurch höher ist. Dies hat mit der erwähnten Beschränkung auf 20 Kreditgeber zu tun. Cashare hat einen Algorythmus entwickelt, der die Mindesgebotshöhe immer anpasst. Als Beispiel: Kredit 10’000. Es gibt 19 Gebote zu je CHF 500 = 8500, das nächste Gebot muss dann mindestens CHF 1500 hoch sein usw. Ich habe aber noch wenige Auktionen erlebt, bei welchen ich nicht 200 bieten konnte. Nach Ende der Gebotsphase wird das Angebot der Investoren dem Kreditnehmer vorgelegt. Hier kann der Kreditnehmer das Angebot noch sieben Tage überdenken, und muss dann eine Entscheidung fällen. In der Zwischenzeit erhalten die Investoren die Zahlungsinstruktionen, und erhalten den Namen sowie die Adresse des Schuldners. Sofern alle Investoren eingezahlt haben, und das Kreditangeobt angenommen wird, zahlt cashare die Kreditsumme dem Schuldner einige Tage später aus.

Gebühren für Kreditnehmer und Kreditgeber

Ja, ihr lest richtig, auch die Kreditgeber werden zur Kasse gebeten. Die Investoren müssen 0.75% Ihrer Leihsumme an cashare zahlen, im Voraus versteht sich. Der Kreditnehmer zahlt auch 0.75% auf die Darlehenssumme, und kann für zusätzliches Geld noch Versicherungen abschliessen.

Statistiken

Cashare veröffentlicht hier Statistiken. Leider sind diese für mich wertlos, denn meine Fragen beantworten diese nicht. Für was die Angabe nach dem angefragten Kreditvolumen (per heute 238 Millionen) gut sein soll (ausser Marketing) entzieht sich meiner Vorstellungskraft. Denn einen Kreditantrag zu stellen, heisst nicht, dass dieser auch finanziert wird. Auch wenn wir nur davon ausgehen, dass das tatsächliche Kreditvolumen nur die Hälfte davon beträgt, ist das noch immer ein sehr stolzer Wert.

Man hat mir vor Monaten versprochen Daten zu den Verzügen, Ausfällen und so weiter zu veröffentlichen, aber bis heute habe ich noch nichts davon gesehen.

Fazit

Dieser Artikel ist jetzt schon zu lang geworden, daher höre ich hier auf, und werde in einem nächsten Artikel auf mein Portfolio eingehen und dies mit Screenshots ergänzen.

Auch wenn ich an einigen Punkten Kritik an Cashare übe, finde ich die Plattform trotzdem gut und werde weiter investieren. Es ist die grösste und daher auch liquidiste p2p Plattform der Schweiz.