Envestio – mein bisheriger Erfahrungsbericht (Zinsen bis zu 22%)

Anfang dieses Jahres wurde ich auf Envestio aufmerksam, besser gesagt trat eine lettische Digitalmarketing Agentur mit mir in Kontakt und hat mir die Plattform vorgestellt. Das Ziel dabei war natürlich, dass ich einen Post über die Plattform verfasse. Ich habe meine Bedenken geäussert, da mir bei der Kreditprojektauswahl (Immobilien in Spanien, Kryptomining etc) der rote Faden gefehlt hatte. Zudem konnte ich mir nicht vorstellen, dass es wirklich Projekte zu 18% und mehr Zinsen inklusive Buyback gibt. Das Kryptoprojekt zahlte sogar deutlich mehr als 20 Prozent, wenn ich mich richtig erinnere. Irgendwie wurde ich nicht warm mit der Plattform, auch wenn alle meine Fragen beantwortet wurden und man um Transparenz bemüht war. Ich habe dann dankend abgelehnt, Envestio aber weiter beobachtet und bin im Juli dann erstmal mit wenig Geld eingestiegen. Daher gebe ich euch gerne einen Überblick zu meinen bisherigen Erfahrungen.

Registrierung/Einzahlung/Auszahlung – Cashback inklusive

Wenn ihr für die Anmeldung diesen Link nutzt, kriegt ihr 0.5 Prozent Cashback auf eure Investitionen der ersten 9 Monate. Der Cashback wird jeweils um den 5. jedes Monats direkt eurem Investorenkonto gutgeschrieben.

Die Anmeldung geht fix, Email bestätigen und dann seid ihr dabei. Ausweiskopie und Versorgerrechnung (oder Bankauszug) wird erst vor dem Auszahlungsantrag benötigt. Ich schlage vor, macht dies doch aber gleich nach der Anmeldung. Etwas speziell ist, dass man beim Auszahlungsantrag alle Daten selber eingeben kann (Begünstigter, Kontonummer etc). Die Daten sind dann im Formular gespeichert für die Zukunft aber überschreibbar. Ich hatte hier ein Sicherheitsbedenken, denn was passiert, falls ich gehackt werde und jemand mein Geld auf sein Konto überweisen lassen will? Gemäss Envestio findet vor der Auszahlungsverarbeitung noch eine Prüfung statt ob der Empfänger mit dem Investor identisch ist.

Einzahlen könnt ihr mindestens 100 Euro, der Mindestanlagebetrag pro Projekt ist jedoch nur 1 Euro. Eine etwas komische Praxis, aber naja.

Buybackgarantie/Sekundärmarkt

Einen Sekundärmarkt bietet Envestio im traditionellen Sinn (noch) nicht an, jedoch eine jederzeit während der Projektlaufzeit verfügbare 95% Verkaufsoption (nur bei secured debt). Das heisst, falls ihr einen 10 Euro Anteil an einem Projekt haltet, dann könnt ihr diesen Anteil vor Laufzeitsende zu EUR 9.50 (100% – 5%) an die Platform zurückgeben. Tut ihr das nicht, und das Projekt gerät in Ausfall, dann kriegt ihr automatisch 80% des Kapitals zurück. Für die restlichen 20% habt ihr zwei Optionen: a) ihr kriegt 10% sofort (Total 90%) oder 2) ihr wartet die Sicherheitsverwertung ab und kriegt, was es noch zu holen gibt, also theoretisch 20% (aber ihr müsstet da sicher länger warten und ob überhaupt noch was kommt ist fraglich). Dieses Vorgehen gilt für “secured debt“ Kredite, jedoch nicht für subordinated (nachrangige) Kredite. Ich habe bis jetzt noch keine nachrangigen Kredite gesehen. Ich habe in diesem Zusammenhang nachgefroagt, ob nach Ablauf der Projektdauer der Kredit auch verlängert werden könnte, sofern die Zinsen gezahlt wurden. Envestio würde in so einem Fall die Investoren anfragen, sehen aber eher von dieser Möglichkeit ab, da sie solche Situationen vermeiden möchten. Ich habe den Eindruck, dass die Plattform bei Nichtzahlung nicht lange fakelt. Das ist aber nur ein Bauchgefühl, da gemäss Angaben der Plattform ein solcher Fall noch nicht eingetreten ist (bis jetzt).

Envestio bietet bei manchen Projekten auch eine 100% Buybackgarantie an, wenn zum Beispiel 10k in ein Projekt investiert wird. Dies wird aber situativ entschieden und den registrierten Investoren mitgeteilt. Bedenkt dann aber, die Garantie kommt von Envestio, und auf diese müsst ihr vertrauen.

Sicherheiten

Jeder Kredit verfügt über Sicherheiten, welche im Projektbeschrieb aufgelistet sind. Darunter fallen auch persönliche Garantien der Inhaber. Ich gebe diesen Sicherheiten aber sehr wenig Gewicht, da wohl das ganze Geld der Inhaber sowieso in diesen Firmen steckt. Es handelt sich dabei um mehrheitlich kleine, geringkapitalisierte Unternehmen, welche einen Überbrückungskredit/Finanzierung suchen.

Man kann sich fragen, ob die Firmen wirklich derart „verzweifelt“ sind, dass sie 20% (ich nehme jetzt einfach diese Zahl, da diese für Beispielrechnungen einfach nachvollziehbar ist, zudem müssen wir noch berücksichtigen, dass die Plattform auch noch einige Prozente für sich rausnehmen wird, dh der Kredit wohl 25% oder so kostet) an Zinsen zahlen. Ich denke, man muss das ganze etwas relativieren, denn die meisten Kredite laufen 3 bis 9 Monate. Nehmen wir an unser Beispielkredit läuft über 6 Monate, dann sind 20% per Annum, effektiv 10% zu bezahlen vom Kreditbetrag. Wenn eine Firma dieses Geld für einen Wareneinkauf nutzt, denke ich, dass 10% verkraftbar sind, so lange sie mit den Warenverkäufen genügend Marge erzielen. Ich halte die Projekte aber allesamt für sehr risikoreich, damit wir uns da richtig verstehen.

Envestio gibt es seit Dezember 2017…

… Als Plattform, als Privatfonds war das Envestio Management aber bereits seit 2014 aktiv, so steht es zumindest auf ihrer Webseite. Ich fragte das Management dann an, warum man sich jetzt mit Privatinvestoren herumschlägt, wenn man doch schon Jahre mit sehr vermögenden Personen geschäften konnte. Der Hintergrund meiner Frage ist halt dieser: Um 100k zu erhalten braucht man eine vermögende Person, oder einige hundert Privatinvestoren. Was ist einfacher? Ich hätte jetzt gesagt ersteres, aber das ist meine Meinung. Envestio beantwortet die Frage damit, dass man im Crowdlending ein grosses Potential sieht. Zudem ist das Crowdlending nur ein Teil der Servicepalette, welche man anbieten will. Und schlussendlich findet Envestio, dass mit der Zwischenfinanzierung von Unternehmen die Wirtschaft gestärkt werden kann und die Investoren Zinsen verdienen. Eine win win Situation also. Tönt schön und plausibel, aber eben, ich htäte einen anderen Fokus gewählt, aber was weiss ich schon ;). Übrigens, falls eine sehr vermögende Privatperson diesen Artikel lesen sollte, Envestio hat immer wieder Spezialprojekte für Grossinvestoren, welche 100k auf einen Schlag investieren wollen, oder vorallem können 😉

Meine Gedanken zum Schluss

Bisher kamen alle meine Zinszahlungen absolut pünktlich und ich habe keine Verzüge. Da noch kein Projekt das Enddatum erreicht hat, kann ich zu Ausfällen und deren effektiver Handhabung noch nichts sagen.

Ihr habt es vielleicht bereits zwischen den Zeilen gelesen, ich bin hin- und hergerissen. Einerseits finde ich die Idee Unternehmen mit Liquidität zu versorgen, damit diese ihre Geschäftstätigkeit ausüben können, genial. Bezüglich der Risiken habe ich aber so meine Bedenken. Solch hohe Zinsen gibt es nicht ohne entsprechende Risiken. Ich nehme hier immer das magische Dreieck der Vermögensanlage zu Hilfe. Wir haben hier also eine hohe Rendite, gute Liquidität, also müssen die Risiken enorm sein. Vielleicht greift das etwas zu kurz, aber als Ansatz sicher nicht schlecht. Im untersten Abschnitt des verlinkten Artikels wird noch das magische Viereck erwähnt, welches aus Rendite, Risiko, Liquidität und Ethik besteht. Nehmen wir also die Ethik als vierte Dimension hinzu, sieht es ja schon viel besser aus für Envestio (ernst gemeint, da werden Firmen mit Kapital versorgt). Ich kannte das Viereck bisher nicht, bleibe aber lieber bei meinem Dreieck ;).

So, das wars wiedermal von mir, falls euch Envestio interessiert, nutzt diesen Link für die Anmeldung und sichert euch den Cashback. Vor einem Investment, lest aber vielleicht noch diesen Artikel, und fragt euch, ob ihr eure Risiken im Griff habt.