LEND – Ein Besuch im Büro und am Investoren Abend

Vor etwa 2 Wochen bin ich bei LEND im Büro in Zürich erschienen. Vorangegangen war ein Postabtausch auf unseren Blogs. Ich muss sagen, die Reaktion von LEND auf meinem Blogpost war etwas unerwartet, aber sehr willkommen. Ich finde es immer gut, wenn man sich äussert. Lend hat dies getan, und mich auch zu einem Besuch eingeladen. Das habe ich mir natürlich nicht entgehen lassen und bin gerne in die Kreditschmiede nach Zürich gegangen.

Wie man es von einem Staurtup erwartet, befinden sich die Büroräumlichkeiten in einem älteren Gebäude und die Büros sind hell sowie geräumig. Andy Siemers hat mich sehr nett empfangen und Sheila begleitete mich sogleich in ein Sitzungszimmer. Ich merkte gleich, hier herrscht eine tüchtige, aber famliäre Atmosphäre. Ehrlichgesagt hatte ich eher überhebliche Weltverbesserer erwartet, aber dem war ganz und gar nicht so.

Wir haben uns dann über unsere Werdegänge und Absichten ausgetauscht. Schlussendlich sind wir übereingekommen, dass einer Partnerschaft nichts im Weg steht. Ich werde künftig das Antragsformular für einen LEND Kredit auf meinem Blog bereitstellen (bei erfolgreicher Kreditauszahlung, kriege ich einen vordefinierten Betrag. Dies möchte ich im Sinne der Transparenz festhalten. Der Kreditnehmer profitiert von einem guten Zinssatz).

Der Investoren Abend

Unabhängig von der vorherigen Geschichte habe ich im Januar eine Einladung zu einer Präsentation von LEND erhalten. Einer der Gründer (Florian Kübler) hat die Investoren eingeladen, einem Vortrag von Simon Niepmann (Olympia Goldmedaillen Gewinner im 4er Rudern) beizuwohnen. Der Sinn (meines Erachtens) war aufzuzeigen, dass Fleiss, Wille und Freude an einer Sache unweigerlich zum Erfolg führen (wenn die Zeit dafür reif ist möchte ich anmerken). Dieses Credo lässt sich auch auf LEND ummünzen. Hier sind wir beim Kern der Sache angelangt, denn LEND steht genau für die selben Werte (gemäss meinen Beobachtungen).

Der Vortrag fand im Seeclub in Zürich statt. Nach einer kurzen Einleitung durch Florian Kübler von LEND fand bereits die Präsentation von Simon Niepmann statt. Simon hat uns gezeigt, wie seine Karriere verlaufen ist. Angefangen hat alles 1996, als er zu Rudern begann. Gekrönt wurden seine Anstrengungen mit Olympiagold 2016, also 20 Jahre nach seinen ersten Rudererfahrungen. Eine inspirierende Story, welche spannend und authentisch widergegeben wurde. Nochmals ein grosses Lob an Simon Niepmann und die anderen Ruderer in seinem Team, welche unmenschliche Strapazen auf sich genommen haben, und der Schweiz eine olympische Goldmedaille bescherten.

Danach gab es Speis und Trank und die Investoren hatten die Gelegenheit sich auszutauschen. Es waren mehr als 50 Personen anwesend, welche kulinarisch verwöhnt wurden. Ich hatte hierbei Gelegenheit mit diversen p2p Investoren ein Gespräch zu führen. Vielen Dank an dieser Stelle für die interessanten Unterhaltungen!

Es waren aber auch Kreditnehmer zugegen. Dave Dollė mit seiner Frau Romy. Das Ehepaar benötigte einen Kredit zum Innenausbau Ihres neuen Fitnessstudios. Dies ging einfacher und pragmatischer mit LEND als mit einer Bank. Ich konnte mich kurz mit Dave unterhalten, und er hat mir nochmals bestätigt, dass LEND um einiges unkomplizierter als seine Bank war.

Fazit

Ein rundum gelungener Abend. Auch die Gründer von LEND und deren Mitarbeiter waren ansprechbar und sehr offen für ein Gespräch. Ich kann nur positives Berichten. Auch wenn LEND momentan noch eine Kreditausfallrate von 0 vorweisen kann, sind sich die Gründer bewusst, dass es irgendwann einen Ausfall geben wird. Diese Erkenntnis gibt mir noch mehr Vertrauen in die Plattform. Schlussendlich wird es die Zeit zeigen, ob LEND eine unterdurchschnittliche Ausfallquote (= Gradmesser für das Kreditmodel sowie das Forderungsmanagement) vorweisen kann.

 

 

 

Lend – eine Schweizer p2p Plattform

Die Plattform tritt als LEND in Erscheinung, dahinter steckt die Switzerlend AG mit Sitz in Zürich. Gegründet und geführt wird LEND von ehemaligen Bankern und Serial-Entrepreneuren, welche sich daran stören, dass ein Privatkredit immernoch fast 10 Prozent kostet, in einer Zeit wo Banken sich das Geld quasi gratis leihen können. Ein guter Ansatz, denn das stört mich auch. Es ist ein wirkliches Phänomen, dass die Verzinsung von Kontoguthaben nur schleppend steigt, wenn die Zinsen steigen. Fallen die Zinsen, geht es ganz fix mit der Senkung der Zinsen auf dem Sparkonto.

Lend und die Transparenz mit den Gebühren

Man kann schön in den FAQ nachlesen, dass Kreditnehmer jährlich 0.5% und Investoren 1% an Gebühren zahlen, welche mit den monatlichen Rückzahlungen verrechnet werden. Auf den Kreditprojekten wird immer die Nettorendite ausgewiesen (siehe nebenan), was ein klarer Vorteil gegenüber

Renditeausweis bei Lend.ch

zum Beispiel Cashare ist, welche die Rendite nur Brutto ausweist. LEND geht noch weiter und weist die Rendite auch unter der Berücksichtigung der Annuitätenzahlungen aus. Bravo, das ist sehr gut. Hier ist wirlich netto drin wo netto drauf steht. Aus diesem Grund sind die Renditen bei Lend eigentlich auch nicht tiefer als zum Beispiel bei Cashare.

Es fehlt mir aber auch eine gewisse Transparenz

Und zwar bei den Kreditvolumen. Es wird mit 53.7 Millionen CHF durch Kreditanträge geworben. Anträge sind aber noch nicht bewilligt, und schon gar nicht finanziert. Das ist eine Phantasiezahl, denn es sind erst 151 Projekte finanziert, 53.7 ÷ 151 = 355’000.- pro Kredit. Etwas zuviel für Privatkredite, wenn nicht, hätte ich gerne so einen 😉 Spass beiseite, ein Blick auf die finanzierten Projekte genügt, und man weiss, dass dies eine Marketingzahl ist.

Was mir weiter fehlt: Zahlen zu Ausfällen und Verspätungen. Gemäss Live Chat gab es noch keine Ausfälle, was ja schön ist, aber warum so etwas nicht publizieren? Mir wurde auch angeboten, dass ich für ein Treffen mit den Partnern vorbeigehen könne. Das mache ich auch im 2017, aber zuerst werde ich in Projekte investieren, und da kommen wir zum nächsten Punkt.

Anmeldung

Die Anmeldung geht fix online, und man muss ein Identifikationsdokument hochladen. Danach muss man ein Referenzkonto angeben und von seinem Bankkonto aus CHF 5.- überweisen. So wird sichergestellt, dass einem dieses Konto tatsächlich auch gehört. So weit so gut, aber mich ärgern die CHF 5.- tierisch, denn diese kriege ich nicht zurück. Ich sehe es einfach ganz und gar nicht ein, dass ich für die Anmeldung zahlen soll. Schliesslich kann die Plattform nur mit Investoren gedeihen. Vielleicht bin auch ich einfach ein typischer engstirniger Schweizer und sehe das big picture nicht 😉 /ironie off

Der Umgang mit der 1 zu 20 Regel und den Zinsen

Wie ich schonmal beschrieben habe, kennt die Schweiz die tolle Regelung, dass Kredite mit mehr als 20 Gläubigern als Anleihen/Obligationen gelten. Und solche dürfen nur von Banken ausgegeben werden…. und eine Banklizenz zu erwerben ist naja, gelinde gesagt schweineteuer und sehr zeitintensiv.

LEND geht hier einen sehr pragmatischen Weg, ohne einen ausgeklügelten Algorithmus. Man teilt den Kreditbetrag einfach in 20 Teile auf, was dann dem Mintestanlagebetrag ergibt. Beispiel: Kredit 2’000 / 20 = CHF 100 pro Anteil. Man ist frei auch mehrere Anteile zu erwerben.

Die Zinsen sind nach Laufzeit und Kreditkategorie (A bis C) festgelegt. Es kommt also zu keiner Bietauktion, Pragmatismus pur, was mir zusagt.

Fazit

Ich freue mich immer, wenn es neue p2p Plattformen in der Schweiz gibt, die ich ausprobieren kann. Besonders freut es mich, dass LEND einen guten Eindruck macht und ich das Gefühl habe, dass man etwas bewegen will. Ich investiere jetzt mal und Berichte weiter. Lend kriegt von mir einige Vorschusslorbeeren, ich hoffe, dass diese auch nachhaltig sind.