Flender aus (meiner) Investoren Sicht

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Vor einigen Monaten hatte ich euch ein Interview mit dem CEO von Flender, Kristjan Koik, präsentiert. Die Plattform ging erst vor einigen Monaten and den Start und dementsprechend rar waren bis jetzt auch die Kreditprojekte. Auf den öffentlichen Marktplatz haben es erst etwas mehr als 10 Projekte geschafft. Öffentlicher Marktplatz? Ja genau, es gibt auch einen privaten Bereich, verwirrt? Ich versuche es zu erklären:

Wie Flender funktioniert

Flender ist etwas spezieller konzipiert als andere Plattformen, dies entspringt der Grundidee von Flender, welche Freunden und Bekannten von Kreditnehmern eine Plattform bieten möchte. Daher auch der Name Flender, welcher sich zusammensetzt aus „friend“ und „lender“, also aus Freund und Kreditgeber. Die Idee dahinter ist, dass wenn jemand Geld braucht (egal ob Privatkredit oder Firmenkredit), der Kreditnehmer auf der Plattform zuerst ein privates Projekt starten kann, welches nicht öffentlich zugänglich ist, sondern nur einem ausgewählten Investorenkreis. Sollte der Kredit nicht durch Freunde und Bekannte zustande kommen, kann der Kreditnehmer immernoch entscheiden, dass er den Kredit der breiten Masse zugänglich machen will. Bei Privatkrediten ist das bis jetzt noch nicht geschehen, und mir liegen auch keine konkreten Daten vor wieviele solcher Darlehensanfragen es bis heute gab. Ich finde es sowieso fraglich ob das so funktioniert. Wenn ich mir vorstelle Geld zu brauchen, dann würde ich höchstens meine besten Freunde fragen und das nicht via Plattform regeln (obwohl es natürlich für die Kreditgeber den Vorteil hat, dass dort ein rechtsverbindlicher Vertrag ensteht). Ich kann mich auch täuschen und die Nachfrage hierfür besteht im Privatbereich (Ich bin schon einige Male daneben gelegen, so zum Beispiel etwa 2011, als ich nicht daran glaubte, dass Tablets eine Chance im Markt hatten….).

Die Idee von Flender ist aber dennoch gut, für mich aber vorallem im Bereich der Firmenkredite anwendbar. Wenn mir ein Bekannter eine Kreditanfrage stellen würde für sein Business, dann hätte ich das gerne via Plattform geregelt, damit die Regeln klar und verbindlich sind (Ich habe keine Lust einen Vertrag aufzusetzen, der dann juristisch wohl nicht standhält). Für meinen Bekannten wäre das insofern gut, dass er viele Leute so anfragen könnte. In den meisten Fällen dürften die privaten Beiträge nicht reichen und dann kommen diese Projekte auf den Marktplatz. Und genau dort sehe ich einen grossen Vorteil für uns Investoren: und zwar ein psychologischer. Der Kreditnehmer hat sich also bereits in seinem privaten Umfeld verschulted und wird so wohl noch motivierter sein die Angelegenheit gütlich über die Bühne zu bringen. Wer will schon sein Gesicht im Freundeskreis verlieren, weil er das Geld nicht zurückzahlt? Wenn man dann in solch ein Projekt investiert glaube ich, dass die Rückzahlungsmoral aus diesem Grund höher ist, es gibt also eine zusätzliche, wenn auch nicht fassbare, Sicherheit. Und da der Kreditnehmer nur jeweils einen fixen monatlichen Betrag zahlt, können keine Anleger (seine Freunde) bevorzugt werden. Natürlich könnte der Kreditnehmer seine Bekannten ausserhalb der Plattform bezahlen, was ihm aber nichts bringt, denn die Forderung wird seitens Plattform sowieso durchgesetzt, was schlimmstenfalls in seiner Insolvenz enden könnte. Das ist natürlich alles etwas theoretisch, aber ich glaube das Model kann so funktionieren. Ich jedenfalls habe ein besseres Gefühl, wenn ich weiss, dass bei einem Kreditprojekt auf Bekannte des Kreditnehmers beteiligt sind. Natürlich ist das keine Garantie und man sieht den Projekten auch nicht an, ob da Freunde dabei sind. Nachfragen kann man aber 😉

Bis jetzt bin ich in 4 Projekten drin

Investiert habe ich in 4 Projekte, wobei erst eines seit mehr als einem Monat aktiv ist. Dieses Projekt hat die ersten beiden Raten pünktlich beglichen. Die anderen 3 Projekte werden gegen Ende September fällig, mal sehen ob die auch pünktlich begleichen werden.

Was ist sonst noch wichtig?

Aktuell dauert es aufgrund der eher geringen Anzahl an Investoren eher lange bis ein Kredit gefüllt wird, und in dieser Zeit wird unser Geld nicht verzinst. Ich hoffe dem wird bald Abhilfe geschaffen. Momentan hat es nur ein investierbares Projekt verfügbar, aber ihr könnt jederzeit beim Support nachfragen ob es mehr Projekte gibt. Ihr kriegt dann einen link zu mindestens einem Projekt, welches sich noch im privaten Modus befindet. Bei der Kreditprüfung ist übrigens ein Kriterium, dass der Kreditnehmer belegen muss, dass er über die Liquidität verfügt um die ersten 3 Raten zahlen zu können. Schonmal gut, auch wenn sich diese Situation im Laufe des Kredits ändern kann.

Was ich mir von Flender wünsche

Ich wünsche mir einen Zweitmarkt 😉 Das würde mir etwas mehr Sicherheit geben, da ich im Notfall aussteigen könnte, sollte ich das Geld benötigen. Bevor das aber wohl realisiert wird, wäre ich froh, wenn die Plattform etwas verständlicher würde, eine Portfolioansicht würde helfen. Wünschenswert wäre sicherlich auch, dass die Kredite schneller finanziert würden, oder während der Finanzierungsdauer ein Cashback ausgerichtet würde. Am wichtigsten aber ist für mich, dass die Kredite pünktlich zahlen, ich hoffe also auf eine rigorose Kreditprüfung (wenn nicht, ist die Plattform sehr schnell am Ende, das ist den verantwortlichen bewusst). Linked Finance hat bereits bewiesen, dass man im irischen Kreditmarkt mit sehr tiefen Ausfallraten operieren kann. Irische Kreditnehmer sind sehr gute Zahler, was auch dazu geführt hatte, dass Irland (einer der PIGS Staaten) während der Eurokrise, am schnellsten aus dem Schlamassel raus war und keine Umschuldung vornehmen musste. Ein weiterer Wunsch: Ich hoffe der Support ist weiterhin so fix wie bisher, man merkt wirklich, dass die Jungs von Flender (hier gehts zur Anmeldung, rechts oben) etwas bewegen wollen, so engagiert wie sie sind.

Ich werde in etwa einem Monat wieder berichten, ob die Investitionen nach Plan laufen. Bei Fragen einfach posten.

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